Unternehmenszahlen richtig aufbereiten – warum Struktur wichtiger ist als das Ergebnis

Unternehmenszahlen bilden die Grundlage nahezu jeder Bonitäts- und Ratingbewertung. Dennoch zeigt die Praxis, dass viele Bewertungen nicht an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit scheitern, sondern an der Art und Weise, wie Zahlen dargestellt und eingeordnet werden.

Bilanzen, BWAs und GuVs werden häufig primär aus steuerlicher Sicht erstellt. Für Bewertungszwecke reicht das jedoch nicht aus. Entscheidend ist nicht nur, was in den Zahlen steht, sondern wie diese Zahlen gelesen und interpretiert werden können.

Warum Zahlenaufbereitung für Bonität und Rating entscheidend ist

Aus Sicht von Banken und Auskunfteien dienen Unternehmenszahlen nicht der rückblickenden Betrachtung, sondern der Einschätzung von Stabilität, Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit. Voraussetzung dafür ist ein grundlegendes Verständnis dessen, was Bonität bedeutet und wie wirtschaftliche Informationen gelesen und eingeordnet werden. Zahlen müssen daher nachvollziehbar, konsistent und vergleichbar sein.

Unklare Strukturen, fehlende Erläuterungen oder rein steuerlich geprägte Darstellungen führen häufig dazu, dass wirtschaftlich stabile Unternehmen vorsichtiger oder schlechter bewertet werden, als es die tatsächliche Situation rechtfertigen würde.

Eine gezielte Aufbereitung der Zahlen schafft Transparenz und reduziert Interpretationsspielräume. Welche konkreten Auswirkungen fehlende Erläuterungen in der Praxis haben können, zeigt das Praxisbeispiel Wie fehlende Erläuterungen eine Finanzierung verhindert haben.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kapitalstruktur, insbesondere die Eigenkapitalausstattung. Welche Bedeutung Eigenkapital für Stabilität, Bonität und Rating tatsächlich hat, erläutern wir ausführlich im Beitrag „Eigenkapital verstehen – Bedeutung, Struktur, Kennzahlen und Wirkung auf Bonität und Rating“.

Steuerliche Korrektheit ist nicht gleich Bewertungsrelevanz

Ein zentrales Missverständnis besteht darin, steuerliche Korrektheit mit bewertungsrelevanter Qualität gleichzusetzen. Steuerliche Optimierung verfolgt das Ziel, die Steuerlast zu minimieren. Bonitäts- und Ratingbewertungen hingegen zielen auf Risikoabschätzung und Stabilität ab.

Bestimmte Maßnahmen, die steuerlich sinnvoll sind, können aus Bewertungssicht zu Verzerrungen führen. Dazu zählen unter anderem stark schwankende Ergebnisse, nicht erläuterte Rückstellungen oder fehlende Trennungen zwischen betrieblichen und privaten Sachverhalten.

Bewertungsrelevante Zahlen benötigen daher häufig zusätzliche Einordnungen oder Bereinigungen.

Welche Zahlen besonders im Fokus stehen

In der Bewertungspraxis werden nicht alle Zahlen gleich gewichtet. Besonders im Fokus stehen unter anderem:

  • Ertragskraft und deren Entwicklung
  • Eigenkapital und Kapitalstruktur
  • Liquidität und Innenfinanzierung
  • Stabilität der Ergebnisse über mehrere Jahre
  • Verhältnis von Ergebnis zu Unternehmensgröße

Diese Größen werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang gelesen. Einzelne Kennzahlen sind nur aussagekräftig, wenn sie in ein konsistentes Gesamtbild eingebettet sind. Eine zentrale Voraussetzung für eine realistische Bewertung ist die Vergleichbarkeit der Zahlen über mehrere Jahre, da erst so Entwicklungen und Trends belastbar eingeordnet werden können.

Typische Schwachstellen in der Zahlenaufbereitung

In vielen Unternehmen zeigen sich wiederkehrende Muster, die zu Missverständnissen in der Bewertung führen. Dazu gehören beispielsweise:

  • fehlender oder unrealistischer Unternehmerlohn
  • starke Ergebnisverzerrungen durch Einmaleffekte
  • nicht erläuterte Rückstellungen oder Sonderposten
  • uneinheitliche Gliederungen über mehrere Jahre
  • mangelnde Vergleichbarkeit von Zeiträumen

Diese Punkte führen nicht zwangsläufig zu schlechten Zahlen, aber häufig zu vorsichtigen Bewertungen. Zu den bewertungsrelevanten Schwachstellen zählen neben Unternehmerlohn und Einmaleffekten auch nicht ausreichend erläuterte Rückstellungen, die die Vergleichbarkeit der Ergebnisse beeinträchtigen können.

Zahlen lesen heißt Zusammenhänge verstehen

Bewertungen entstehen nicht durch einzelne Werte, sondern durch das Lesen von Zusammenhängen. Wie entwickelt sich das Unternehmen? Sind Ergebnisse nachhaltig? Lassen sich Abweichungen erklären? Ist die Darstellung konsistent?

Je besser diese Fragen durch die Zahlen selbst beantwortet werden, desto geringer ist der Interpretationsspielraum für Dritte. Eine gute Zahlenaufbereitung ersetzt keine wirtschaftliche Substanz, macht diese aber sichtbar. Wie diese Zusammenhänge in der Bewertungspraxis konkret eingeordnet werden, zeigt sich insbesondere darin, wie Creditreform Unternehmenszahlen bewertet.

Einordnung für die Praxis

Bei der bewertungsorientierte Aufbereitung von Unternehmenszahlen gehte es nicht um die Beschönigung von Zahlen, sondern um einen strukturierter Prozess, mit dem Ziel, die wirtschaftliche Realität nachvollziehbar darzustellen und Bewertungslogiken Rechnung zu tragen.

In den weiteren Fachbeiträgen dieses Wissensbereichs werden wir einzelne Aspekte der Zahlenaufbereitung vertiefen – von der Rolle des Unternehmerlohns über die Behandlung von Rückstellungen bis hin zur strukturierten Vorbereitung von Unterlagen für Rating- und Finanzierungsgespräche.

Wie sich fehlende Struktur konkret in der Bewertung auswirken kann, zeigt das Praxisbeispiel Warum ein Unternehmen trotz guter Zahlen schlechter bewertet wurde.